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Dendrochronologie

Von den beauftragten Experten, Diplom-Ingenieur Raimund Rhomberg, (Architektur) und Dr. Klaus Pfeifer (Labor für Dendro(chrono)logie) wurde die Aufgabenstellung zur Datierung der Besiedlung der Guscha wie folgt umschrieben, (Wortlaut aus dem Originalbericht):


Unsere Absicht war es anhand der vorerwähnten Untersuchungen einen ersten Einblick in die Bautypologie von Wohn- und Wirtschaftsbauten (Ställe, Scheunen) zu erhalten und den zeitlichen Rahmen der so lesbaren Entwicklungsschritte von vermuteten, älteren Gebäudeanlagen abzustecken.



Die Ausarbeitung des Berichtes bzw. die Lösung der gestellten Aufgabe erfolgte zum einen über die Bauforschung, d.h. eine gefügekundliche Analyse sowie durch die Dendrochronologie ausgehend von einem Jahrringanalytischen Datierungsverfahren.

Auszüge aus Bericht:

Bauforschung Gefügekundliche Analyse   

Die gefügekundliche Untersuchung setzt sich aus der Bau- oder Bestandsaufnahme, d.h. dem maßlichen Erfassen des Bauwerks mit all seinen Einzelheiten, und der Datierung von Bauteilen bzw. Bauaktivitäten mit Hilfe der Dendrochronologie zusammen. Bei der Feldforschung geht es primär um das Lokalisieren und Eingrenzen der vorkommenden Bauetappen anhand entsprechender Baufugen, ausgehend vom Kernbau hin zu allen möglichen Abwandlungen dieses Grundtyps. Bei der Untersuchung der relevanten Gebäudeauswahl wurde auf eine Öffnung von Putzfenstern in den Obergeschossen mit Ausnahme im Tolenborthaus (No. 02) verzichtet.

Die Baufugen, Verarbeitungsspuren, die Ausführung der Verbindungen, Hinweise auf geänderte Lagebeziehungen und andere Zeichen und Symbole der Handwerker weisen auf Änderungen im Gefüge hin. Meist sind es zimmermannstechnische Hinweise, die mit Hilfe der Datierung eine Rekonstruktion des Vorgängerbaues zulassen. Schließlich ergibt sich aus der Summe der gefügekundlichen Untersuchungen ein Geflecht an Informationen, die aus den georteten Spuren, den anzutreffenden handwerklichen Praktiken und den gewonnen vorerst abstrakten Zahlen aus der Bauaufnahme und Datierungen bestehen.

Das aktuelle Baugefüge spiegelt auf diese Weise alle, für die Entstehung aufgewendeten Aktivitäten wider. Es charakterisiert – mehr oder weniger leicht feststellbar – die Geschichte des Hauses. Gelingt die Rekonstruktion früheren Entwicklungsstadien, ergeben sich Einblicke in die Alltagsgeschichte der Bewohner. Teilweise gehen durch Eingriffe in die Substanz, heute wie früher, wichtige Merkmale verloren und hinterlassen so Lücken von baulicher und sozialgeschichtlicher Relevanz.
Ergebnisse der gefügekundlichen Untersuchung sind die verformungsgetreue, verzerrungsgerechte auf AutoCAD gezeichnete Aufmaßpläne im Maßstab 1:100, 1:50 der digital (Laser-Distanzmessgerät, Theodolith) oder im Handaufmaß vermessenen Objekte sowie die Abgrenzung einzelner Bauphasen in Baualterplänen vornehmlich der Kelleranlagen – wenn von bauhistorischer Relevanz, auch des aufgehenden Erdgeschosses – anhand dendrochronologisch datierter Bauhölzer bzw. stilistischer Merkmale. Die schematisierten Pläne sind des Weiteren Grundlage für die nachgeschaltete Gebäudeklassifikation.

Dendrochronologie Ausgangslage

Die wissenschaftliche Basis der »Dendrochronologie« geht auf den Begründer der Disziplin, den amerikanischen Astronomen Andrews E. Douglas (Tucson, Arizona; 1867–1962) zurück und ist aus den griechischen Ausdrücken dendron (Baum), chronos (Zeit) und logos (Lehre) zusammengesetzt. Douglas hatte gehofft, eine Korrelation zwischen der zeitlichen Abfolge der Baumringbreite als irdischem Klimaindikator und dem elfjährigen Zyklus der Sonnenflecken aufzeigen zu können.1 1929 gelang ihm mit der »Überlappungstechnik« die Aufstellung einer 1.229 Jahre langen Jahrringchronologie die ununterbrochen von der Gegenwart bis ins Jahr 700 n. Chr. zurückreicht. Mittels dieser Chronologie konnte er indianische Wohnstätten datieren, als er die Jahresringmuster der archäologischen Fundhölzer in den älteren Abschnitt seiner Chronologie eintrug. Bruno Huber2 (Universität München) etablierte ab 1939/41 die Wissenschaftsdisziplin in Europa.
Ein maßgebender Durchbruch gelang Dieter Eckstein Mitte der 1960er durch die erstmalige Verwendung computergestützter Auswertungsverfahren.

Das dendrochronologische – jahrringanalytische – Datierungsverfahren beruht darauf, dass der Zuwachs von Nadel- und Laubbäumen in den gemäßigten und borealen3 Klimagebieten in Jahresschichten erfolgt. Die Aufeinanderfolge von schmalen und breiteren Jahrringen ist abhängig vom Niederschlagsangebot und den Temperaturverhältnissen des laufenden bzw. vorherigen Jahres am jeweiligen Standort. Jede Jahrringbreite ist zudem das Resultat des Wechselspiels von Witterungsfaktoren, Standort und Baum. Kurz- bzw. langfristige Einflüsse – Frost und Trockenheit – beeinträchtigen genauso wie Insektenbefall und Mast- bzw. Fruchtjahre den jährlichen Holzzuwachs. Wuchs-, Standorts- und Klimaverhältnisse sind so auf einem Stammquerschnitt – gleichsam wie in einem Archiv – Jahr für Jahr abgespeichert.
Die Zuwachskurven gleichzeitig wachsender Bäume zeigen weitgehend klimatisch bedingt einen markant ähnlichen Verlauf, dies nicht nur innerhalb desselben Bestandes, sondern auch bei weiter voneinander entfernten Standorten.

Jahrringanalytisches Datierungsverfahren

Zeigen die Jahrringabfolgen zweier Hölzer eine hohe Ähnlichkeit, so liegt der Schluss nahe, dass sie zur gleichen Zeit gelebt haben (relative Datierung). Ist eine der beiden Jahrringserien bereits datiert, so ist auch die Entstehungszeit der anderen bestimmbar (absolute Datierung). Für absolute Altersbestimmungen von historischen und vorgeschichtlichen Holzfunden ist stets eine in der Gegenwart beginnende zusammenhängende Jahrringchronologie1 als Datierungsgrundlage erforderlich.

Für absolute Datierungen heimischer Nadelholzarten (Tanne, Fichte, Lärche, Zirbe, Kiefer) standen bis vor kurzem im Alpenraum in der Gegenwart beginnende, lediglich die letzten 1.000 bis 1.500 Jahre abdeckende, im Überbrückungsverfahren2 erstellte Chronologien3 zur Verfügung. Erst seit wenigen Jahren existieren kalenderdatierte durchgehende, mehrtausendjährige Zeitreihen für den Ostalpenraum, die für Fichte und Lärche4 bis ins 15. Jahrhundert v. Chr. reichen bzw. für Zirbe als Hochlagenchronologie subfossiler Holzfunde die vergangenen 7.100 Jahre (5.125 v. Chr.) abspannen.5 Im süddeutschen Raum reicht bspw. der Jahrringkalender für Eichenholz und im ältesten Abschnitt für Kiefer von heute bis ins 11. Jahrtausend v. Chr.1 (12.449 BP2).

Ohne hier weiter auf die wissenschaftlichen Verfahren zur Datierung einzugehen, bestätigt sich die bereits gefühlsmässig erkennbare Tatsache, dass im eigentlichen Dörfli das Tolenbortshaus als ältestes Bauwerk bezeichnet werden kann. Wie der Tabelle zu entnehmen ist, datiert in die Mitte des 15. Jahrhunderts.

Es ist unsere Absicht, auch die ausserhalb des Dörflis liegenden Bereiche über Bach und Birch in einer zweiten Etappe in den nächsten Jahren bearbeiten zu lassen.